Angriff auf militärisch-industriellen Komplex – Blackout in Europas größtem Technologiepark

Berlin 9. September 2025

9. September, früher Morgen: tausende Städte erwachen zum Leben, millionen Menschen werden von dem schrillen Piepen ihres Weckers aus dem Schlaf gerissen, welcher den Beginn eines weiteren Tages der Monotonie und Apathie einläutet – 15 Minuten Zeit zum Kaffeetrinken, um dann zur Arbeit zu hetzen. Eine Stunde in den öffentlichen Verkehrsmitteln, wenige Blicke, die sich kreuzen, keine:r redet, alle starren auf ihre Bildschirme. Unmengen Autos durchqueren die Straßen, der Blaulichtlärm erschrickt die wenigen Vögel, die über der Stadt kreisen. Die Kieze jeden Tag etwas trostloser. Einsamkeit macht sich breit unter Vielen, zwischen Betonbauten, Zäunen und Kameras. Umgeben von Polizeipräsenz, die uns mehr und mehr zu ersticken droht. Werbebildschirme, die zum konsumieren auffordern oder dazu einladen, sich der Bundeswehr anzuschließen. Ja, es ist wieder so weit: „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen“. Die „Zeitenwende“ erfordert stramm stehen fürs Vaterland und Kriegstüchtigkeit, dass der „Volkskörper“ zusammenrückt und Opfer bringt. Die Militarisierung schreitet voran und hinter dem neoliberalen Versprechen von Wohlstand zeigt sich immer unverhohlener die faschistische Fratze. Die Resignation und die Schwarzseherei gewinnt an Gefolgschaft, man atmet Traurigkeit.

In den Nachrichten permanent Katastrophenmeldungen. Kriege und Genozide hören nicht auf. Im Gegenteil: in Gaza, Kongo, Sudan, Ukraine wird weiter gemordet und die Herrschenden reiben sich die Hände. Das Geschäft läuft gut. Ständig werden neue Deals eingefädelt, um die Ressourcen anderer Länder auszubeuten und Menschen ihrer Lebensgrundlage zu berauben. Die Neo-Faschist:innen sitzen in immer mehr Staaten fest im Sattel der Macht und das Kapital steht ihnen zuverlässig zu Diensten. Die reaktionäre Welle des Antifeminismus und der Queerfeindlichkeit wird von den Tech-Bros vorangetrieben und KI führt ihre steile Karriere fort, die Welt immer künstlicher zu machen. Ihr dystopisches Fortschrittsversprechen: eine faschistoide Technokratie mit extra-planetarischen Bestrebungen als Antwort auf den kollabierenden Planeten. Alles wirkt als wäre diese Welt längst verloren, dass es keine Möglichkeit zum Handeln gäbe, dass unser Tun eh nichts bringt, so als ob die aufständischen Zeiten weit in der Vergangenheit liegen würden.

Heute aber funktioniert nicht alles so reibungslos. In Europas größtem Technologiepark im Ostteil Berlins, wo für gewöhnlich ein reges Treiben herrscht, scheint diese Normalität in den frühen Morgenstunden nach wenigen Minuten dahin geschmolzen zu sein. Die Dunkelheit wurde durch einen Hoffnungsschimmer ersetzt, weil Apathie und Frustration nicht die einzigen Reaktionen auf diese bedrückende Realität sind.

Nein, heute ist kein normaler Tag. Hunderte CEOs verschiedener Firmen und Forschungsinstitute aus den Bereichen IT, Robotik, Bio- & Nanotech, Raumfahrt, KI, Sicherheits- und Rüstungsindustrie haben die bittere Nachricht bekommen, dass ihr Technologiepark in Adlershof aufgehört hat zu funktionieren. Zumindest für eine kleine Zeitspanne, aber das reicht schon aus, um ihre sensiblen Supermaschinen und Ablaufprozesse massiv zu beeinträchtigen. Zwei 110KV Strommasten in der Königsheide in Johannisthal wurden durch Brandstiftung der Saft abgedreht und damit ein Blackout im Technologiepark verursacht. Wir bitten die Anwohner:innen, die davon in ihren privaten Haushalten betroffen waren um Nachsicht, dies war keinesfalls unsere Intention. Trotzdem sehen wir diesen Kollateralschaden als vertretbar an, im Gegensatz zur faktischen Zerstörung der Natur und der oft tödlichen Unterjochung von Menschen, für diese viele der hier ansässigen Firmen tagein tagaus verantwortlich sind. Ihr Festhalten am technologischen Fortschrittsstreben und die permanente Ausweitung industrieller Ausbeutung im Angesicht gegenwärtiger Katastrophen hat weit schwerwiegendere Folgen. Für alle und dauerhaft. Der unbedingter Wille dies notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen, zeigt worum es dabei eigentlich geht – Profit und Macht. Diese Tatsache lässt sich auch nicht durch lustige Drohnenshows am Nachthimmel oder fussballspielende KI-Roboter, wie sie ab und an dem technologiebegeistertem Publikum in Adlershof präsentiert werden, vertuschen. Ihre wohlklingenden Werbeslogans von Innovation, Nachhaltigkeit und Fortschritt sind nichts weiter als ein irreführendes Manöver auf dem Schlachtfeld der Diskursbestimmung, um davon abzulenken, dass sie eigentlich Instrumente bauen, die Tod und Zerstörung bringen. Jedes denkbare Geschäftsmodell aus den genannten Bereichen der Hightech-Industrie, das im Technologiepark Adlershof angesiedelt ist, fungiert, auf die ein oder andere Weise, systemstabilisierend und ist unter anderem ein Produkt militärischer Interessen. Ihre Machenschaften sind der Garant für das Fortbestehen der kapitalistischen Todesmaschine. Sie alle sind das eigentliche Ziel unserer Aktion.

Es würde den Rahmen jedoch um Weiten sprengen jede einzelne der über tausend Firmen zu beleuchten und all ihre Schandtaten zu entlarven. Diese Liste wäre endlos. Daher begrenzen wir dieses Unterfangen hier auf einige wenige Beispiele, die exemplarisch für die unsägliche Verstrickung von Forschung, Wissenschaft und Technologie mit Krieg, Umweltzerstörung und sozialer Kontrolle stehen.

ATOS Einer der Cybergiganten, der unter anderem IT-Produkte und KI-basierte Anwendungen für Militär und Polizeiarbeit entwickelt. Für die Bundeswehr betreibt der Konzern das Projekt HaFIS (Harmonisierung der Führungsinformationssysteme) oder baut schussfeste Funktionscontainer mit IT-Infrastruktur. Für den Kriegstreiber Israel unterhält Atos ein Hochsicherheits-Datencenter ihrer Verteidigungs- und Sicherheitsbehörden und ist damit mitverantwortlich für Krieg und Genozid.

ASTRIAL – Ein Unternehmen das neben Sicherheitsinfrastruktur für Smart Citys vor allem durch sein Engagement im weltweiten Krieg der Grenzbehörden gegen Migrant*innen auffällt. Ihre Kommando- und Kontrollsysteme verarbeiten riesige Datenmengen von Land-, See-, Unterwasser-, Untergrund-, Luft- und Weltraumsensoren, um die Menschenjagd an den Außengrenzen des globalen Nordenszu optimieren.

DEUTSCHES ZENTRUM FÜR LUFT- UND RAUMFAHRT (DLR) – Das All ist in der Polykrise ein höchst umkämpfter Raum und DLR profitiert massiv von dem militärischen Sondervermögen der Bundesregierung. Die wehrtechnische Forschung ist integraler Bestandteil des Programms des DLR. Das DLR unterstützt z.b. Ausbildungsflüge der Luftwaffe oder betreibt in Köln mit der Bundeswehr zusammen ein Kompetenzzentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin.

EDAG – Ein langjähriger Partner der Sicherheits- und Rüstungsindustrie. Das Unternehmen entwickelt militärische Rad- und Kettenfahrzeuge, Lösungen für maritime Sicherheit oder bemannte und unbemannte militärische Luftfahrzeuge. Kurz: alle erdenklichen Maschinen die dazu designt sind zu töten.

EUROVIA/VINCI – Eines der größten Bau- und Infrastruktur-Unternehmen weltweit, das unter anderem an dem umkämpften Bau des französischen Atommüll-Lagers beteiligt ist. Vinci baut aber auch (Abschiebe-)Knäste, Flughäfen oder Autobahnen. Mit ihren unzähligen Tochterfirmen ist das Unternehmen selbst im Energiesektor tätig und drängt zunehmend auch auf den Rüstungsmarkt. Erst kürzlich hat die Vinci-Tochter Actemium die Übernahme der Wärtsilä SAM Electronics GmbH bekanntgegeben, die für die deutsche Marine und Marinewerften in Hamburg, Wilhelmshaven, Elmenhorst, Bremerhaven und Kiel tätig ist.

JENOPTIK – Das Technologieunternehmen aus Jena agiert durch Produkte wie Laserentfernungsmesser, Wärmebildkameras, LEDs, Infrarot- und Polymeroptiken, die z.b. zur militärischen Aufklärung oder zum Schutz von Infrastrukturen eingesetzt werden, an der Schnittstelle von innerer Sicherheit und militärischer Verteidigung. Von Relevanz ist aktuell ihre Software „TraffiData“ die unter anderem im Grenzgebiet zu Mexiko zum Einsatz kommt und auf Wunsch der US-Grenzbehörde zur effizienteren Jagd nach unerwünschten Menschen durch „TraffiCatch“ erweitert wurde.

ROHDE & SCHWARZ – Das Technologie- und Rüstungsunternehmen stellt Funktechnologie für Militärfunkanlagen und Überwachungssysteme her, die an große Tech-Unternehmen, Regierungen und Geheimdienste auf der ganzen Welt verkauft werden. R&S Produkte finden beispielsweise Anwendung zur Grenzsicherung (z.B. in Saudi Arabien), in Militärfahrzeugen, -flugzeugen, -schiffen, sowie zur Steuerung von Raketen und Co. Aber auch bei polizeilichen und geheimdienstlichen Abhöreinrichtungen.

SIEMENS – Es gibt kaum ein Bereich in der Rüstungs- und Großindustrie, wo Siemens Produkte nicht vorkommen. Waffensysteme, Atom-U-Boote, Flugzeugträger, Panzer, Kernreaktoren, Staudämme, Windkraftanlagen, Knäste, Flughäfen uvm. Viele dieser Megaprojekte sind höchst umstritten wie z.b. TrenMaya in Mexiko, Erdogans Staudamm-Projekte in Kurdistan oder zuletzt der Bau des Unterwasserstromkabel EuroAsia Interconnector, das Israel mit Zypern und Griechenland verbindet. Auch andere israelische Infrastrukturprojekte im besetzten Ostjerusalem und in israelischen Siedlerkolonien in der Westbank werden durch den Konzern unterstützt.

TRUMPF – Ein Unternehmen das an vorderster Front im internationalen Chip-Krieg um die Vormachtstellung in der digitalen Welt agiert. Ob Smartphones mit Turbodatenübertragung und Gesichtserkennung, smarte Datenbrillen, künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos oder Raketen-, Drohnen- und Waffensysteme. Überall sind die Halbleiter verbaut, bei deren Produktion die deutsche Firma Trumpf, in Zusammenarbeit mit Zeiss und ASML durch ihre EUV-Lithographiesysteme eine Schlüsselrolle spielt. Ohne ihren Komponenten stünde die hochtechnologisierte Welt still.

Diese Sabotage will aber nicht nur die Feind:innen der Freiheit benennen und stören, sondern auch ein Aufruf zur Ausweitung von offensivem Handeln im Allgemeinen, speziell aber von dieser Aktionsform sein, die zu einer effektiven Systemunterbrechung führt. Es ist ein Aufruf die Frustration und die Hoffnungslosigkeit endgültig hinter sich zu lassen. Ein Aufschrei, um zu verkünden, dass unsere anarchistischen Ideen und der Tatendrang gedeihen und dass das verantwortungslose Handeln der Herrschenden immer Konsequenzen mit sich ziehen wird. Dies gilt vor allem für die Kompliz:innen der Waffenindustrie, denn wir werden nicht tatenlos darüber hinwegsehen, wie Menschen in ihren Kriegen massakriert oder zum Hungertod verdammt werden.

Kritische Infrastruktur anzugreifen, bedeutet eine der Hauptadern der Unterwerfung des Menschen über den Menschen und der Natur anzugreifen. Das Stromnetz repräsentiert als solches die Geschichte des Fortschritts und ist die Grundvoraussetzung für die gnadenlose Entwicklung hin zu einer hochtechnologisierten Gesellschaft, wie wir sie heute kennen. Diese Gesellschaft, die unter dem Pranger der Technologie und des Kapitals steht, scheint vorerst das irdische Endprodukt der zivilisatorischen Errungenschaft zu sein und verursacht eine schier irreparable Erdzerstörung, deren Ausmaß einmalig in der Erdgeschichte ist. Ganz abgesehen von den blutigen Kriegen, um Macht und Ressourcen, die die Herrschenden ihren Diener:innen aufzwingt. Der unersättliche Drang nach Wachstum lässt sie dabei, im wahrsten Sinne des Wortes, immer häufiger auch nach den Sternen zu greifen. Die Elektrizität ist dabei Hauptquelle der Energie, die jede Maschine und den „Fortschritt“ nährt, die notwendig sind, dieses aktuelle System zu reproduzieren. Es abzuschalten ist möglich und es ist auch möglich, es mit einem Leben in Freiheit ohne Herrschaft und Ausbeutung zu ersetzen!

Den technologischen Angriff sabotieren – dem militärisch-industriellen Komplex den Saft abdrehen!

Immer Angriffslustig – Niemals Kriegstüchtig!

Einige Anarchist:innen

gefunden unter https://web.archive.org/web/20250909125523/https://de.indymedia.org/node/537364


Morgenpost dazu:

Wer steckt hinter dem Stromausfall? Was das Bekennerschreiben verrät

Berlin. Linksradikale „Anarchisten“ reklamieren den Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz für sich. Wer steckt hinter dem Stromausfall?

Am Nachmittag passierte das, was mancher Ermittler bereits geahnt hatte: Auf der Internetplattform „indymedia.org“ erscheint ein Bekennerschreiben. Linksextreme reklamieren den Brandanschlag auf zwei Strommasten im Berliner Ortsteil Johannisthal für sich.

Mitten in der Nacht gingen beim Betreiber des Netzes Alarmmeldungen ein: ein Brand. Die Folge war „verheerend“, wie ein Polizist sagt. 50.000 Kunden waren zeitweise vom Strom abgeschnitten, darunter auch einzelne Pflegeheime, Schulen und Ämter. Ampel fielen aus, auch S-Bahnen und Straßenbahnen.

Das Bekennerschreiben auf der linksradikalen Plattform ist ein typischer Weg, mit dem sich auch gewaltbereite Gruppen zu ihren Taten bekennen. Das aktuelle Pamphlet ist überschrieben mit: „Angriff auf militärisch-industriellen Komplex“. Ziel des Anschlags war offenbar der „Technologiepark“ in Berlin-Adlershof – auf 460 Hektar vereint er 18 Wissenschaftseinrichtungen, Technologieunternehmen, Start-ups und Medienunternehmen an einem Standort. In den Augen der Linksradikalen: ein Feindbild.

Derzeit prüft die Polizei die Echtheit der Veröffentlichung. Doch der Tathergang, das Ziel der Gewalt, wie auch Nutzung von „indymedia“ als Plattform ist den Ermittlern bekannt. Im März 2024 hatte sich die linksextreme „Vulkangruppe“ auf dem Netzwerk zu einem Brandanschlag auf das Werk des US-Autoriesen Tesla bekannt.

Das aktuelle Bekennerschreiben wurde um 14.20 Uhr online gestellt, einige Stunden nach dem Brandanschlag. Der Autor: „anonym“. Auch das ist nicht ungewöhnlich. Die Plattform „indymedia“ funktioniert „nach dem Prinzip des Open-Posting“, über ein Eingabeformular können „Beiträge anonym und ohne den Zwang zur Registrierung in Echtzeit und ohne vorherige Kontrolle der Inhalte beziehungsweise ohne vorherige Filterung veröffentlicht werden“, wie es in einer Drucksache im Bundestag beschrieben ist. „Ein Impressum mit Namen von etwaigen Betreibern sei auf der Website nicht vorhanden.“

Täter wettern gegen eine „Militarisierung“ und einem „neoliberalen Versprechen“

Das soll den Mitgliedern der linken Szene Schutz vor der Polizei geben. Wer das lange Schreiben der Autoren liest, stößt auf viele bekannte Feindbilder der Linksradikalen: zuallererst auf die „Polizeipräsenz, die uns mehr und mehr zu ersticken droht“.

Vor allem aber zielen die Autoren, die sich selbst nur „einige Anarchist:innen“ nennen, auf die Bundeswehr und Rüstungsunternehmen. Sie wettern gegen eine „Militarisierung“ und einem „neoliberalen Versprechen“, hinter denen sich „die faschistische Fratze“ verberge. Das Wirtschaftssystem des Kapitalismus, hier gebrandmarkt als „neoliberal“, zählt zu den zentralen Feindbildern der linksradikalen Szene.

Die „Anarchisten“ listen eine Reihe von Unternehmen auf, die im „Technologiepark“ ansässig sind, darunter große Firmen, aber auch kleine Start-Ups. Die Unternehmen entwickeln Technik, die auch von der Bundeswehr und anderen Armeen zum Einsatz kommt, oder etwa bei der Grenzüberwachung genutzt wird.

Israel bezeichnet die Gruppe als „Kriegstreiber“ und spricht von einem „Genozid“ in Gaza. Tatsächlich sieht sich die israelische Regierung beim Krieg gegen die Terrororganisation dem Vorwurf der schweren Menschenrechtsverletzungen. Von den Terrortaten der Islamisten im Oktober 2023 schreiben die linksextremen Täter jedoch nicht.

BKA-Chef Holger Münch warnte schon 2024 von einer „Zuspitzung der Bedrohungslage“. Täter aus der Szene würden zunehmend professionell vorgehen, nach den Anschlägen abtauchen. Angriffe auf Kabelschächte, Sendemasten, Strom- und Glasfaserkabel rechnen Sicherheitsbehörden der „Vulkangruppe“ zu. Anschläge auf die Energieversorgung hatte es auch in München vor einigen Jahren gegeben. Ziel von Übergriffen durch mutmaßliche Linksextreme ist immer wieder das Schienennetz der Bahn. […]

Technologiepark teilt mit: Das „Open-Air-Kino“ muss ausfallen

Auf der Webseite des „Technologieparks Adlershof“ ist beschrieben, dass das Areal vom Stromausfall betroffen sei. Roland Sillmann, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Geländes teilte mit: „Anschläge wie diese richten sich nicht nur gegen die Infrastruktur, sondern auch gegen Menschen, denn sie gefährden Menschenleben.“

Finanzielle Schäden und Ausfälle von Unternehmen ließen sich „derzeit noch nicht beziffern“. Man arbeite daran die „Arbeitsfähigkeit“ der Firmen wiederherzustellen. Und, so heißt es in einer Mitteilung des Technologieparks, auch das „Open-Air-Kino“ am Abend müsse ausfallen. Eigentlich wollte der Betreiber für Interessierte und Mitarbeiter „Arrival“ zeigen, ein Science-Fiction-Thriller aus dem Jahr 2016.

Tagesspiegel:

[…] Gegen 3.30 Uhr wurde ein Brand an zwei Strommasten im Königsheider Weg in Johannisthal gemeldet. Es handelt sich um sogenannte Endmasten, an denen oberirdische Leitungen in die Erde gehen. Wie die Berliner Polizei mitteilte, waren Teile von Altglienicke, Grünau, Adlershof, Spindlersfeld, Alt-Johannisthal und Oberschöneweide betroffen.

Nach ersten Erkenntnissen sollen die Täter einen sogenannten Brandbeschleuniger, also etwa Benzin, eingesetzt haben. Außerdem wurde eine Metallkette an einem der Strommasten sichergestellt. Die Kette war um ein in Brand gesetztes Kabel gelegt und mit dem Strommast verbunden. Laut Ermittlern ist das eine übliche Methode bei solchen Anschlägen von Linksextremisten: Wenn der Kabelmantel abgebrannt ist, entsteht durch die Metallkette ein Kurzschluss.

Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen. Das Gebiet rund um den Tatort wurde am Dienstagmorgen abgesperrt, in dem Waldgebiet rund um die Strommasten hat die Polizei „umfangreiche Beweissicherungsmaßnahmen“ eingeleitet.

Wer steckt mutmaßlich hinter dem Brandanschlag?

Der Anschlag habe sich gegen Firmen und Forschungsinstitute aus den Bereichen IT, Robotik, Bio- und Nanotech, Raumfahrt, KI, Sicherheits- und Rüstungsindustrie gerichtet, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bekennerschreiben. Zwei Strommasten sei „durch Brandstiftung der Saft abgedreht und damit ein Blackout im Technologiepark verursacht“ worden.

Die Gruppe bat die betroffenen Anwohner um Nachsicht, „dies war keinesfalls unsere Intention“, heißt es in dem Schreiben. „Trotzdem sehen wir diesen Kollateralschaden als vertretbar an.“ Jedes Geschäftsmodell aus den Bereichen der Hightech-Industrie, das im Technologiepark Adlershof angesiedelt sei, fungiere systemstabilisierend und sei ein Produkt militärischer Interessen. Ihre Machenschaften seien der Garant für das Fortbestehen „der kapitalistischen Todesmaschine“.

Als Beispiele, „die exemplarisch für die unsägliche Verstrickung von Forschung, Wissenschaft und Technologie mit Krieg, Umweltzerstörung und sozialer Kontrolle stehen“, werden im Schreiben neun Firmen und Institute genannt. Darunter sind Siemens, Cyberunternehmen wie Atos, Jenoptik, auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Kritische Infrastruktur anzugreifen bedeute, eine „der Hauptadern der Unterwerfung des Menschen über den Menschen und der Natur anzugreifen“, ist weiter zu lesen. Das Schreiben endet mit den Worten: „Den technologischen Angriff sabotieren – dem militärisch-industriellen Komplex den Saft abdrehen! Immer angriffslustig – Niemals kriegstüchtig!“ Die Polizei erklärte, dass sie das Bekennerschreiben prüfe.

Wann wird der Strom wiederhergestellt?

Seit etwa 11 Uhr konnten 14.000 Haushalte im Gebiet wieder mit Energie versorgt werden, teilte ein Sprecher von Stromnetz Berlin mit. Man habe Leitungen umgeschaltet, sodass die Versorgung bestimmter Gegenden ab dem späten Vormittag wieder möglich gewesen sei.

Gegen 16.30 Uhr kamen weitere 3.000 Kunden wieder ans Netz. Mit einer Zwischenlösung sollen in den frühen Abendstunden weitere 2.000 Kunden wieder ans Netz kommen. „Damit sind aktuell 31.000 Kunden ohne Strom und werden ohne Strom bleiben, bis die Not-Reparaturen abgeschlossen sind“, erklärte das Unternehmen. Und das kann bis Donnerstag dauern.  […]

Um die Stromversorgung wiederherzustellen, sind Tiefbauarbeiten angelaufen: Die Bodenkabel, welche Haushalte versorgen, sollen über eine provisorische Umschaltung wieder mit den Freikabeln am Mast verbunden werden. Unklar bleibt, wie stark die Masten selbst beschädigt wurden. Durch den Brand könnte auch deren Statik beeinträchtigt worden sein, sagte Stromnetz-Geschäftsführer Landeck. In diesem Fall müssten eventuell neue Masten aufgestellt werde.