Berlin 6. August 2026
Als Antwort darauf, dass Sie eine Munitionsfabrik mitten in die Stadt setzen und diese mit der Schusswaffe verteidigen und in Solidarität mit allen, die Widerstand leisten und die Kriegsindustrie angreifen.
Am frühen morgen des 6. August haben wir in Berlin Wedding das Geschäft eines der Unternehmen besucht, das in die Rüstungsproduktion involviert ist und vom Krieg massiv profitiert. Wir haben einige Scheiben eingehämmert und Farbe verteilt. Damit rufen wir dazu auf, dezentral, unberechenbar und überall dagegen vorzugehen, dass unsere Kieze militarisiert werden und alles anzugreifen, was daran beteiligt ist.
Getroffen hat es dieses mal Würth in der Schulzendorfer Straße. Würth bezeichnet sich als der weltweit führende Konzern bei Befestigungs- und Montagetechnik, doch die recht unscheinbar wirkende Firma stellt auch Elektronikteile, Leiterplatten, Schalter und Schmierstoffe her. Geführt wird sie von Reinhold Würth, dem reichsten Deutschen mit einem Privatvermögen von 40 Milliarden Dollar.
Eine Strategie der Verantwortlichen von Würth ist es, nicht offen darüber zu reden, wofür genau ihre Produkte verwendet werden. Dies ist auch meist relativ effektiv, zumal es sich hauptsächlich um Massen- und Kleinstware handelt, wodurch es deutlich schwerer ist nachzuverfolgen wo all diese Teile eingesetzt werden. Doch muss davon ausgegangen werden, dass Teile von Würth vom U-Boot bis zum Satelliten in einem großen Teil westlicher militärischer Güter verbaut sind.
Schützenpanzer für Saudi-Arabien
Belastbare Informationen darüber sind jedoch rar und kommen nur zufällig ans Licht. 2019 zum Beispiel, als die deutsche Regierung nach der Ermordung des Journalisten Khashoggi ein Exportverbot für Rüstungslieferungen nach Saudi-Arabien verhängte. Da Würth Schalter für französische Schützenpanzer baute, die zu dieser Zeit der saudischen Polizei für ihre Gewaltexzesse übergeben werden sollten, stellte das Verbot für Würth ein Problem dar. Würth legte beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle Widerspruch gegen die Aussetzung einer Ausfuhrgenehmigung ein und hatte wohl mit Klage gedroht. Als dies an die Öffentlichkeit kam, beteuerte man scheinheilig, dass es nicht um „die Wiederinkraftsetzung der erteilten Ausfuhrgenehmigung, sondern ausschließlich die Schadloshaltung für einen eventuellen wirtschaftlichen Schaden“ ging. Sprich, dass, wenn schon Exportverbot, dann der Steuerzahler den Gewinnausfall ausgleichen sollte.
Gemeinsam mit Rheinmetall, die natürlich auch von dem Exportverbot betroffen waren, handelte Würth in diesem Fall in Stellvertretung der deutschen Rüstungsindustrie, in dessen Lobbyverband, dem Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, beide Firmen gemeinsam mit anderen Größen wie Thales, Siemens und Renk organisiert sind. (https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/saudi-arabien-waffenliefer…)
Würth ist damit genauso wie Rheinmetall als Profiteur und Treiber von Waffengeschäften und Krieg entlarvt. Genauer gesagt hat Würth mit der Belieferung von Saudi-Arabien erwiesenermaßen seit Jahren den Krieg in Westasien befeuert, sich auf der Seite eines Staates und damit gegen die Menschen, ihren Widerstand gegen Herrschaft und Besatzung und ihre Selbstorganisierung positioniert. Würth handelt damit in direkter Kontinuität des Kolonialismus und als Akteur des westlichen Imperialismus sowie als Helfer der heute u.a. vom saudischen Staat ausgehenden Bombardements im Iran.
Schmierstoffe für die Ukraine
Unter dem Label von Liqui Moly produziert Würth in Deutschland für den internationalen Markt ein weiteres unscheinbares aber essentiell kriegswichtiges Produkt: Schmierstoffe, d.h. Motoröle, Treibstoffzusätze und dergleichen. Dass kriegerische Zeiten gute Geschäfte bedeuten, sieht man am Anstieg der Erlöse der Marke Liqui Moly, so z.B. von 2024 auf 2025 um acht Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. In der Vergangenheit hat Liqui Moly schon die US-Airforce versorgt. Heute wissen wir, dass die Ukraine an deutschem Liqui Moly hängt. Erst am 6. August 2026 wurde in Kiev ein Lagerhaus von Würth bombardiert und brannte komplett ab. Es hatte wohl Schmierstoffe für das Militär lagerte. Es wird von „massiven Auswirkungen auf die Warenversorgung in der Ukraine“ berichtet. Zuvor war schon über die Verlegung des Lagerhauses wegen der Bedrohung durch russische Raketenangriffe diskutiert worden.
Würth Aerospace
Mit der Unterfirma Würth Aerospace ist der Konzern auch im Bundesverband der Luft und Raumfahrtindustrie organisiert. Damit zählt er zu den Markeninhabern der ILA Berlin, einer der wichtigsten Werbeplattformen für Krieg und Rüstungsgüter in Berlin. Würth ist über diesen Lobbyverband u.a. mit Airbus, Diehl, Elbit Systems, Eurofighter Jagdflugzeug Gmbh, Hensoldt, Northrop und Thyssen Krupp organisiert. Würth’s Beitrag zum Krieg in der Luft nennen sie „C-Teile“: Schrauben, Muttern, Scheiben, die für Flugzeuge, Drohnen und Satelliten unverzichtbar sind.
Würth Leasing
Mit Würth Leasing verfügt das Imperium über ein gleichermaßen profitables Werkzeug, das den Einflussbereich zudem über die Firmengrenzen hinweg ausdehnt und strategische und politische Interessen durchsetzen kann. Das massive Kapital der Familie Würth wird eingesetzt, um gezielt Kredite an große Unternehmen und Unternehmen in „Umbruchssituationen“ zu vergeben und damit den Markt zu steuern. Expliziter Fokus ist es, mittelständische Unternehmen zum Umbau hin zur Rüstungsproduktion zu motivieren und ihnen dabei mit Geld unter die Arme zu greifen. Massenhaft werden in Deutschland derzeit neue Maschinen beschafft und neue Fertigungslinien aufgebaut, welche u.a. durch Würth vorfinanziert werden, um schließlich die dreistelligen Milliardenbeträge der Bundesregierung zur Kriegvorbereitung als Gewinn der herrschenden Klasse ausschütten zu können.
Würth will, so lassen es Verantwortliche der Leasingsparte verlautbaren, dass es der deutschen Wirtschaft gut geht und dass Deutschland kriegstüchtig ist. Während in ihren Analysen den großen Firmen wie Rheinmetall eine klare Vorreiterrolle bei der Militarisierung eingeräumt wird, wird dem Mittelstand ein großer Nachholbedarf und teils eine mentale Rückständigkeit in sozialen und ethischen Fragen unterstellt. In Bezug auf sich selbst werden derartige Fragen, der Würth’schen Ideologie folgend, damit abgetan, dass man meist nicht die Waffen selbst finanziere sondern hauptsächlich die Herstellung von deren Bauteilen und Komponenten. Öffentlich genannt werden schusssichere Bodenbleche für Panzer, Luken und Abschlussrampen für Raketen. Dass nur ein Krieg genug Verschleiß dieser Produkte erzeugt, um die zur Rüstungsindustrie transformierte Produktion dauerhaft mit Aufträgen zu versorgen, wird billigend zur Kenntnis genommen. (https://www.whatsup-corporate-finance.de/unternehmensfinanzierung/2025/1…)
Über uns
Die Kriegsindustrie anzugreifen ist weiterhin so wichtig wie je zuvor und wir leben in einer Stadt voller potenzieller Ziele dafür. Eine Waffenfabrik mitten in ein Wohngebiet zu bauen ist nur ein weiterer Schritt der Eskalation in der Kriegstreiberei und der Festigung der Profite des deutschen Staates. Dies können wir nicht tatenlos hinnehmen. Zugegeben, die Zeiten sind schlimm. Staat und Industrie richten die Gesellschaft auf zukünftige Kriege ab, scheinbar unaufhaltsam sprießen große und kleine Rüstungsbetriebe und Drohnen Start-Ups auch in Berlin aus dem Boden. Jedoch, Hoffnungslosigkeit ist ein Ausdruck diffuser Angst, sie lässt uns nur noch passiv abwarten, was mit uns in Zukunft passieren wird. Hoffnungslosigkeit ist daher auch ein Instrument der Aufstandsbekämpfung. Es gibt keinen Grund, sich nicht in kleinen Gruppen zusammenzurotten und Akteure wie Würth und andere Rädchen der Kriegsmaschine zu sabotieren.
Mit unserer Aktion positionieren wir uns klar gegen die herrschende Klasse und auf Seite der Unterdrückten. Kein Staat, keine Institution oder andere Autorität kann uns repräsentieren oder über uns verfügen. Wir werden der Aufrüstung, der Kriegshetze und der Wehrpflicht immer Widerstand leisten und versuchen, uns selbst zu organisieren und solidarisch mit Anderen zu sein.
Wenn wir uns hiermit mit den Angeklagten im Prozess gegen die Ulm5 solidarisieren, führen wir auch deren Kampf für ein freies Palästina weiter, wenn bei einer Niederlassung des militärisch-industriellen Komplex einige Scheiben brechen.
Antimilitarist*innen
PS: Vor fünf Jahren wurde Würth schon einmal angegriffen. In Athen wurde ein Fahrzeug der Firma Würth angezündet, womit ihr Beitrag zur Belieferung der NATO Streitkräfte gegen die kurdische Revolution thematisiert wurde. (https://athens.indymedia.org/post/1613131/)


