Meuse (Bure) 29. März 2026
In der Nacht vom 28. auf den 29. März setzten Akte des Widerstands, als Antwort auf den Aufruf zu einem „schwarzen Frühling“ und zu einer Offensive gegen Cigéo (Link), das Gebiet der Meuse in Brand – das bereits seit mehreren Jahrzehnten von den nukleokratischen Geiervögeln heimgesucht wird .
Mit unseren Aktionen bekunden wir auch unsere Solidarität mit unseren Gefährt:innen in Deutschland, die derzeit eine massive Repressionswelle erdulden müssen, nachdem sie mutige Angriffe gegen die Atomindustrie auf ihrem eigenen Territorium verübt haben (Link). Unsere Gedanken und Taten gelten auch der Unterstützung der in Griechenland wegen der Ambelókipi-Affäre inhaftierten Genoss*innen und dem Gedenken an den bewaffneten anarchistischen Kämpfer Kyriakos Xymitiris.
In jener Nacht tauchten auf den Straßen von Demange-aux-Eaux Botschaften der Wut und der Warnung auf dem Asphalt auf: „Atomzüge: Tal in Gefahr!“; während schelmische Eulen die Stromversorgung der Wetterstation von Houdelaincourt bei Bure durch Brandstiftung sabotierten: eine der modernsten ANDRA-Anlagen Frankreichs, die als „Exzellenz“ bezeichnet wird und im vergangenen Herbst in das berühmte Global Atmospheric Watch integriert wurde, ein internationales wissenschaftliches Beobachtungsprojekt, das uns glauben machen soll, dass sich die Atomlobby um den Klimawandel sorgt und dass die Wissenschaft uns retten wird. Die Männer in weißen Kitteln beobachten und messen gerne die Katastrophen, die sie selbst verursachen.
Diese Aktionen sind somit Teil des Kampfes gegen das sogenannte „Cigéo“-Projekt zur Endlagerung von Atommüll: eine riesige unterirdische Müllhalde, die dazu bestimmt ist, die gefährlichsten Abfälle der Menschheitsgeschichte unter Schichten der Verleugnung zu vergraben. Doch entgegen dem, was uns seine zwielichtigen Befürworter:innen weismachen wollen, ist Cigéo weniger ein wissenschaftlicher Vorschlag zur „Entsorgung“ von Atommüll als vielmehr ein Propagandaprojekt, um die Fortsetzung dieser besonders tödlichen Industrie zu rechtfertigen und zu legitimieren.
Der Kampf gegen das Cigéo-Projekt ist ein wichtiger, wenn auch nicht der einzige Punkt im Widerstand gegen die Atomisierung Frankreichs und der Welt. Muss man wirklich zum x-ten Mal an die vergangenen und gegenwärtigen Verwüstungen dieses Wahnsinns erinnern? Oder immer wieder vor den Katastrophen warnen, die die Atombombe und die Atomkraftwerke unweigerlich auslösen werden? Auch wenn wir uns dafür entscheiden, gegen das Atomregime zu kämpfen – oder zumindest zu rebellieren – sind wir dennoch keine Befürworter:innen der Pseudo-Alternativen, die von Technokraten derselben Sorte propagiert werden: Windkraft, Solarenergie, Wasserstoff, Wasserkraft oder andere technologische Katastrophen. Keine industrielle Energieerzeugung ist mit einem würdigen Leben im Einklang mit der Natur vereinbar, wenn der Bergbau ihr Kernstück ist. Wir bekunden daher unsere Solidarität mit allen Menschen, die sich gegen den einen oder anderen Aspekt der Industriegesellschaft wehren.
Wenn wir uns also dafür entscheiden, gegen die Atomkraft zu kämpfen – diesmal in der Meuse und am Ende der Kette –, dann deshalb, weil wir glauben, dass sie die fortgeschrittenste und exemplarischste Form der Katastrophe verkörpert, die wir gerade erleben. Dass sie in ihrer Funktionsweise die meisten Probleme der modernen Gesellschaft in sich trägt und diese auf die Spitze treibt: Rohstoffraub, Kolonialismus, Machtstreben, Spezialisierung und Expertenherrschaft, Zentralisierung, technologische Abhängigkeit, Zerstörung von Lebensräumen und so weiter. Trotzdem werden manche Menschen weiterhin darauf bestehen, uns als Schurken zu betrachten und an Demokratie und bürgerschaftliches Engagement zu appellieren.
Nun haben wir es jedoch erneut auf die Infrastruktur der Atomkraft abgesehen, um zu zeigen, dass diese Vorgehensweise nicht nur notwendig ist, um darauf hoffen zu können, sie eines Tages loszuwerden, sondern vor allem, dass es möglich ist, dies zu tun – und zwar selbst in einem militarisierten Gebiet unter verstärkter Überwachung. Es geht nicht darum, vorzugeben, die Industriegesellschaft hier und jetzt in ihrer Gesamtheit zerschlagen zu können, sondern darum, eine radikale Kritik in der Praxis am Leben zu erhalten, eine Kultur des Widerstands fortzuführen und mitten in der Nacht offensives praktisches Wissen auszutauschen, so wie wir uns das für ein Leben in Selbstversorgung notwendige Wissen weitergeben, das untrennbar mit einer erstrebenswerten Zukunft verbunden ist.
Ihr habt die Macht, wir haben die Nacht!

